
Gastro verdient mehr …
Wenn in Deutschland derzeit über Gastronomie diskutiert wird, geht es um hohe Preise, steigende Kosten und die Senkung der Mehrwertsteuer. Dabei sollten wir über andere Dinge sprechen – meint Domenico Termine.
von Domenico Termine erschienen am 23.03.2026Zum Beispiel hierüber: In der Gastronomie tragen wir täglich Verantwortung für Lebensmittel. Gibt es deshalb Zugangshürden, braucht es eine Ausbildung, einen Befähigungsnachweis, einen Meistertitel? Nein. Im Wesentlichen genügt eine Gewerbeanmeldung und eine Unterrichtung nach § 4 GastG. Ist die Verantwortung der Gastronomie also eine andere als die Verantwortung zulassungspflichtiger Handwerker und Meisterberufe wie Friseur, Bäcker oder Fleischer?
Ohne Gastronomie werden Innenstädte leerer, Ortskerne stiller, Begegnungen seltener. Und der Einzelhandel verliert seinen stärksten Nachbarn. Gastronomie ist Wirtschaftszweig, Impulsgeber und vor allem ist sie sozialer Raum. Wo Menschen unterschiedlicher Herkunft selbstverständlich zusammensitzen. Wo Traditionen weiterleben und Kulturen sich begegnen. Das nennt man gesellschaftliche Relevanz. Die Gastronomie hat sie – und redet viel zu selten darüber.
Gastronomie ist eine der ältesten Benutzeroberflächen unserer Gesellschaft. Sie macht zugänglich, was Menschen zu Speisen und Getränken stets serviert bekommen: Begegnung, Zugehörigkeit, Kultur, Tradition.
Einfach mal vorstellen: In Berlin schließen übers Wochenende sämtliche gastronomischen Betriebe: Restaurants, Cafés, Kantinen, Clubs, Caterings, Imbisse, Kneipen und Kioske. Alles dicht. Wer hätte ohne Gastronomie noch Lust auf Berlin, oder auf irgendeine andere Stadt?
7 % Mehrwertsteuer bringen die Gastronomie nicht weiter. Der Satz nützt ausschließlich Betrieben mit Speiseangebot, alle anderen gehen leer aus. Wir müssen die Zukunft der Branche grundsätzlich und langfrisCg denken, anstatt sie mit einzelnen steuerpolitischen Hebeln kurzfristig zu beschenken.
In 36 Jahren Gastronomie habe ich gesehen, was funktioniert und erfahren, was schon lange nicht mehr klappt. Das sind mögliche Stellschrauben, über die es lohnt zu diskutieren:
- Gastronomie braucht qualifizierte Zugangsvoraussetzungen
- Anreize für Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten
- Standortschutz verhindert Überangebot gleicher Konzepte
- Ausschank- und Lizenzvergabe überarbeiten
- Öffentliche Wahrnehmung der Branche stärken
- Kontinuierlichen Dialog mit der Politik etablieren









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