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Kleinbrennerverband Nord-Württemberg

Mit Cocktails neue Zielgruppen gewinnen

Das Programm der diesjährigen Mitgliederversammlungen des Nord-Württemberger Kleinbrennerverbandes las sich so wie in den vergangenen Jahren. Mit einer gewichtigen Ausnahme: Michael Falk stellte das Cocktail-Projekt vor. Es soll helfen, neue Zielgruppen anzusprechen.

von Friedrich Springob erschienen am 02.02.2026
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Cocktail auf Grundlage eines Apfelbrandes
Cocktail auf Grundlage eines Apfelbrandes © Friedrich Springob

Der Nord-Württemberger Kleinbrennerverband hatte wie in den vergangenen Jahren seine Mitglieder zu drei regionalen Versammlungen mit jeweils identischem Programm eingeladen. Sie fanden Ende Januar in Möglingen, Kupferzell und Neidlingen statt. Die Tagesordnungspunkte „Aktuelles aus dem Verband“, „Aktuelles aus dem Steuerrecht“ und „Aktuelles aus den Hauptzollämtern“ kannte man so auch schon von den letzten Malen. Neu war die Vorstellung des Cocktail-Projektes. Sie nahm am meisten Zeit in Anspruch. Das zeigt, welches zentrale Bedeutung es aus Sicht der Verbände hat.

Gerhard Koch, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des Nord-Württemberger Kleinbrennerverbandes, begrüßte in Möglingen die Anwesenden.
Gerhard Koch, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes des Nord-Württemberger Kleinbrennerverbandes, begrüßte in Möglingen die Anwesenden. © Friedrich Springob
Karl Müller, Vorsitzender des Nord-Württemberger Kleinbrennerverbandes.
Karl Müller, Vorsitzender des Nord-Württemberger Kleinbrennerverbandes. © Friedrich Springob

Aktuelles

Doch bevor man zu diesem Thema kam, begrüßte in Möglingen zunächst Gerhard Koch, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes, die Anwesenden und gab der Verbandsvorsitzende Karl Müller einen kurzen Rechenschaftsbericht und Ausblick. Die Mitgliederzahl scheint sich erfreulicherweise bei rund 1.200 Brennern zu stabilisieren. Erfreulich ist auch, dass bei der Landesprämierung der Anteil der Goldmedaillen steigt, die Brenner also weiter an der Qualität ihrer Destillate feilen. Licht am Horizont gibt es ebenfalls hinsichtlich der Erhöhung des Brennkontingentes von 300 auf 600 Liter reinem Alkohol im Jahr. Anders als unter der Ampelkoalition findet der Bundesverband bei Landwirtschaftsminister Alois Rainer und Finanzminister Lars Klingbeil offene Ohren für dieses zentrale Anliegen.

Der Bundesverband ist aber nicht nur in der Arbeit „nach außen“ aktiv, sondern tritt vermehrt auch als Dienstleister für seine Mitglieder auf. Das macht sich unter anderem in Seminaren bemerkbar. Karl Müller legte den Anwesenden besonders ein Angebot ans Herz: Die Online-Schulung von Anfang Februar zum Elster-Zertifikat. Letzteres ist zentrale Voraussetzung für die ab 2027 nur online mögliche Antragstellung von Brenngenehmigungen und allen weiteren Anträgen. Die Papierformulare haben dann ausgedient, sprich alle Abfindungsbrenner sollten sich jetzt auf diese Umstellung vorbereiten.

Die Einstufung der handwerklichen Brennkunst als immaterielles Kulturerbe wertet Karl Müller als großen Erfolg für die Branche: „Diese Anerkennung ist ein gutes Argument in der gerade geführten Diskussion um die Bedeutung des Alkohols in unserer Gesellschaft. Wer nur auf die angebliche Schadwirkung schaut, übersieht seinen Wert für unsere Kulturlandschaft. Wer Streuobstwiesen erhalten will, muss uns Kleinbrenner fördern.“ Der Bundesverband stellt allen interessierten Brennern ein Kommunikationspaket zum immateriellen Kulturerbe zur Verfügung.

Kommunikation und Einsatz ist ebenfalls an anderer Stelle gefordert. Die aktuelle Streichung der Hohenheimer Brennerkurse sorgt für Unruhe. Karl Müller versprach, sich mit den anderen Verbänden für die Wiederaufnahme der Kurse an der Forschungs- und Lehrbrennerei sowie für ein alternatives Angebot für die bereits Angemeldeten einzusetzen: „Wir sind an dem Problem dran und halten Sie auf dem Laufenden.“

Michael Falk, Geschäftsführer von Badens Brenner.
Michael Falk, Geschäftsführer von Badens Brenner. © Friedrich Springob
Axel Baßler, Brenner aus Kappelrodeck.
Axel Baßler, Brenner aus Kappelrodeck. © Friedrich Springob

Cocktails als Chance

Vom Problem zur Chance: Michael Falk, der Geschäftsführer von Badens Brennern, stellte das Cocktail-Projekt vor. Mit den 220.000 Euro aus den Mitteln der CDU-Landtagsfraktion sollen umsetzungsfreundliche Konzepte entwickelt werden, wie der Cocktail-Markt für regionale Spirituosen erschlossen werden kann. Dabei sind in der Vorbereitung die Verbände gefragt, zum Beispiel, indem sie Kooperationen mit Gastronomie-Verbänden vereinbaren oder ihren Mitgliedern Seminare zu Cocktails anbieten. In der Umsetzung sind aber vor allem die Brenner selbst gefordert. So sollen sie beispielsweise eine Online-Datenbank mit Cocktail-Rezepten „füttern“. Und natürlich sollen sie das Gelernte auch umsetzen. „Nur wenn Sie selbst in ihren Orten und Regionen, auf Ihrem Hof, auf Märkten und Messen aktiv werden, den Menschen im Wortsinn die Cocktails mit Ihren Destillate schmackhaft machen, werden wir in der Fläche erfolgreich sein und gegen den Branchentrend wachsen können. Das Potenzial dazu haben Sie und Ihre guten Produkte. Davon bin ich überzeugt.“

Wie die Umsetzung konkret aussehen kann, verriet der Brenner Axel Baßler aus Kappelrodeck. Der Edelbrandsommelier gab seine Erfahrungen weiter – aus der Praxis für die Praxis. Mit Beispielen für Rezepte von Long Drinks aus zwei Elementen und eigentlichen, komplexeren Cocktails, mit Beispielen für die Namensfindung, der Kalkulation und der Anwendung auf Hoffesten. Er zeigte so auf, wie Cocktails zu einem eigenen und erfolgreichen Vermarktungsweg werden können. „Was bei mir funktioniert, kann auch bei Ihnen so oder so ähnlich funktionieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich ich auch Skeptiker überzeugen ließen. Wen ich für einen puren Obstbrand nicht gewinnen konnte, ließ sich nicht selten auf einen Cocktail ein. Lassen Sie sich also auch auf Cocktails ein.“

Berndt Eckert
Berndt Eckert © Friedrich Springob

Steuerrecht

Weniger emotional verlief naturgemäß der Vortrag von Berndt Eckert, Geschäftsführer der LGG Steuerberatungsgesellschaft. Aber Appelle gab es auch hier, denn viele neue Steuerregelungen Fristen wollen beachtet werden. Wer sie oder die dazugehörigen Fristen nicht beachtet, nimmt finanzielle Einbußen in Kauf. Egal ob es um Regelungen zur Umsatzssteuer, Einkommenssteuer, Abschreibungen für Investitionen, Entfernungspauschalen oder das Aktivrentengesetz geht. In vielen Fällen nutzt die Expertise eines Steuerberaters, der sich in der Landwirtschaft und ihrer steuerlichen Behandlung auskennt. Die Beratung kostet, sich nicht beraten zu lassen, kostet aber häufig mehr!

Stephan Löffler vom HZA Heilbronn
Stephan Löffler vom HZA Heilbronn © Friedrich Springob

Zum Schluss stand Stephan Löffler vom Hauptzollamt Heilbronn den Brennern Rede und Antwort. Sein Haupthema war die Überprüfung der Brenngenehmigungen beziehungsweise deren Voraussetzungen, vor allem der Flächennachweis auf Grundlage der Meldungen an die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Cocktail-Projekt So machen Sie mit

Aktuell erfolgt die Programmierung einer Webseite. Auf www.cocktail-bawue.de können bald Rezepte eingegeben und später dann dann auch die Rezeptdatenbank nach Destillaten und Anlässen sortiert durchsucht werden. Über die Freischaltung informieren die Kleinbrennerverbände.

Seminare: Cocktails mit regionalen Zutaten

  • 13.03.2026 in Weinsberg (Basis)
  • 14.03.2026 in Fellbach (Basis)
  • 17.04.2026 Kressbronn, Bodensee (Basis)
  • 18.04.2026 Kressbronn, Bodensee (Aufbau)
  • 08.05.2026 Kinzigtal, Fischerbach (Basis)
  • 09.05.2026Alde Gott Winzer eG, Sasbachwalden (Basis)
  • 29.05.2026 Brennerei Frank Küchlin, Schallstadt (Basis)
  • 30.05.2026 Becksteiner Winzer eG (Basis)
  • 19.06.2026 Alde Gott Winzer eG, Sasbachwalden (Aufbau)
  • 20.06.2026 Nordwürttemberg, Ort wird noch bekanntgegeben (Aufbau)

Infos und Anmeldung für die März-Termine auf www.kleinbrenner-verband.de

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