
Auf die eigenen Stärken besinnen
Wie kann man trotz schwieriger Rahmenbedingungen erfolgreich sein? Das Brennertreffen an der LVWO Weinsberg gab da interessante Antworten. Durch ein vielfältiges Programm – nicht zuletzt durch die Vorstellung von Betrieben und den dahinter stehenden Konzepten.
erschienen am 22.04.2026Die Nachrichten sind nicht gut. Gesamtwirtschaftlich und auch brennereispezifisch. Besonders deutlich wurde das in den Vorträgen von Michael Falk, dem Geschäftsführer des größten Kleinbrenner-Landesverbandes „Badens Brenner“ und Dr. Dirk Hofmann von der LVWO Weinsberg. Während ersterer die Zahlen zur Abfindungsbrennerei vorstellte, widmete sich der zweite den Trends in der Branche und der Gesellschaft insgesamt.
Weniger Betriebe
Zwei Beispiele aus der Präsentation von Michael Falk: Die Anzahl der Abfindungsbrennereien sank seit 2018, seit dem Fall des Branntweinmonopols, von rund 14.000 auf rund 9.500 im Jahr 2025. Der von ihnen erzeugte Alkohol sank im gleichen Zeitraum von 3.816.131 auf 2.139.835 Liter reinen Alkohol.
Trends
Dirk Hofmann spannte den Bogen etwas weiter und wagte auch den „Seitenblick“ auf den Weinbau, wo vermehrt Rebflächen aufgegeben werden. In den Steillagen ganz, in der Ebene und im Hügelland zugunsten anderer Kulturen, etwa von Kartoffeln. Der sinkende Alkoholkonsum trifft eben alle alkoholischen Getränke, nicht nur die Spirituosen, sondern auch Wein und Bier.
Bei den großen internationalen Spirituosenkonzernen bahnen sich Fusionen oder Kooperationen an. Die Nummer 2 weltweit, Pernod Ricard, führt diesbezügliche Gespräche mit Brown Forman, der Nummer 5 im Spirituosenranking. Eventuell mischt auch noch Sazerac mit. (Mittlerweile hat Brown-Forman das 15-Milliarden-Dollar Übernahmeangebot von Sazerac abgelehnt.) Man versucht auf jeden Fall den Schulterschluss im schwieriger werdenden Geschäft.
Doch nicht nur die Großen, sondern auch – im internationalen Vergleich – kleinere Verschlussbrennereien, die sich im Premium-Segment positionieren, wie die Destillerie St. Kilian im fränkischen Rüdenau, haben anscheinend Schwierigkeiten. Dafür sprechen zumindest die Abgänge von Führungspersönlichkeiten wie Mario Rudolf und Heinz Weinberger. Demnach scheint auch das Premium-Segment kein sicherer Hafen mehr zu sein.
Profi-Killer
Dazu setzen die zwei von Dirk Hofmann so genannten „Profi-Killer“ Mindestlohn und Energiepreis Abfindungsbrennereien und andere handwerklich erzeugende Unternehmen unter Druck. Da taucht am Horizont auch noch die Verdoppelung der Alkoholsteuer auf – ein Damoklesschwert, das sich womöglich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes schon auf die Brenner herabgesenkt hat.
Die Liste an Schwierigkeiten und Problemen ließe sich fast beliebig fortsetzen. Aber das Weinsberger Brennertreffen will ja nicht entmutigen, sondern die Rahmenbedingungen klären und dann Perspektiven aufzeigen. Dazu zählte Dirk Hofmann unter anderem folgende Punkte auf: Cocktails, entalkoholisierte Spirituosen und die Spezialisierung in Nischen. Auch da sind Fallstricke zu beachten, etwa bei den Cocktails eine saubere betriebswirtschaftliche Kalkulation unter gleichzeitiger Berücksichtigung der „finanziellen Schmerzgrenze“ bei den Kunden.
Weitere positive Ansatzpunkte und Stellschrauben brachten den Brennern die folgenden Beiträge näher.
Brennereisoftware
Kai-Uwe Makowski, Produktmanager bei der Firma Destill-IT, stellte den Teilnehmern die gleichnamige Brennereisoftware vor. Sie ist browserbasiert, kommt also ohne Installation von Programmen aus. Sie umfasst bislang Volumenkontraktion, Schwundsatzberechnung und auch Mischungsberechnungen, etwa für die Liköre.
Der Vorteil für Brennereien liegt vor allem in der fachlich korrekten Berechnung. Für Verschlussbrennereien sind Jahressteueranmeldungen und ebenso monatliche Anmeldungen für zu versteuernden Alkohol vorgesehen. Die Verwaltung erfolgt mit Echtzeitdaten und bietet damit den Unternehmen eine spürbare Zeitersparnis. Die Formulare des Zolls sind integriert. Das Rostocker Unternehmen setzt bislang vor allem auf Verschlussbrennereien, will aber auch für Abfindungsbrennereien ein passendes Angebot entwickeln. Bereits jetzt ist die Verwaltung aller Bestände möglich. Damit ist die Software auch im „Ist-Zustand“ für kleinere direktvermarktende Brennereien interessant.
Mikrobiologie
Lars Peuker, Braumeister und Getränketechnologe, stellte seine preiswerten Test-Kits vor, mit denen man mikrobiologische Belastungen von Flüssigkeiten rasch nachweisen kann, vor. Das Thema wird auch für Brennereien wichtiger, weil das Segment der alkoholfreien Spirituosenalternativen wächst – in denen naturgemäß der konservierend wirkende Alkohol fehlt. Der Referent machte auf die Risiken aufmerksam und stellte Stellschrauben vor. Die drei wichtigsten lauten: Hygiene, Hygiene, Hygiene. Die Brenner sollten verstärkt darauf achten. Denn „wenn ein Produkt mikrobiologisch verunreinigt ist, ist es nicht mehr verkehrsfähig, es droht im schlimmsten Fall eine Betriebsschließung.“ Zentral ist nicht zuletzt sauberes Wasser, egal ob als Verschnittwasser oder zur Reinigung.
Betriebsberichte
Immanuel Gruel von der „Tecker Whisky Brennerei“ gab einen Einblick in sein Geschäft, das auch schwieriger geworden ist. Veranstaltungen wie der gemeinsam mit zwei anderen Brennereien durchgeführt Whisky Walk laufen zwar nach wie vor gut, die Nachfrage nach Whisky ist aber regelrecht eingebrochen. Der Brenner kann das nur durch seine schlanken Betriebsstrukturen, vor allem viel Eigenleistung, abfangen. An der Qualität des Angebots liegt es nicht, davon konnten sich die Teilnehmer anhand von drei beeindruckenden Whisky-Proben überzeugen. Der „Tecker” kann definitiv mit der internationalen Konkurrenz mithalten.
Eigene Stellschrauben
Die Probleme kennt Andrea Koch auch. Aber sie will sich nicht unterkriegen lassen. „Ich konzentriere mich jetzt auf die Dinge, die ich beeinflussen kann, die anderen ignoriere ich – so gut es geht.“ Sie hat mit ihrer Abfindungsbrennerei wirtschaftlichen Erfolg. „Nein, es ist nicht mein Mann, der mein Hobby querfinanziert“, antwortete sie lächelnd auf die provokante Frage des Autors.
Sie hat Erfolg, weil sie auf Qualität setzt, selbstbewusste Preise verlangt, weil sie den Vertrieb selbst in die Hand nimmt, selbst Veranstaltungen durchführt. Vor allem aber, weil sie konsequent ihre ganz persönliche Philosophie verfolgt. Dazu gehört, dass sie sich auf Obstdestillate konzentriert. Die sind nicht in Mode, das weiß sie, sie wird aber nicht müde, für ihre Qualität zu werben. Auf beeindruckend charmante und hartnäckige Art. „Mein Ziel ist es, dass die Menschen den Wert von Obstbränden kennen und schätzen lernen.“
Der Vortrag von Andrea Koch enthielt viele inspirierende und ermutigende Ansätze. So viele, dass sie sie bald selbst als Autorin in der Kleinbrennerei vorstellen wird.















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