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33 Jahre Schwäbisches Schnapsmuseum

Das Schnapsmuseum feiert die Schnapszahl

Gelbe Rüben verbessern die Sehkraft, Schnaps verdoppelt sie. Ob der Begriff Schnapszahl vom alkoholbedingten Doppelsehen kommt oder primär aus Trinkspielen stammt, ist ungewiss. Dass die Gründung eines Museums für Hochprozentiges keine Schnapsidee war, dämmerte dem 8000-Seelen Städtchen Bönnigheim im Laufe der letzten 33 Jahre immer wieder.

von Leonore Welzin/Schwäbisches Schnapsmuseum erschienen am 10.03.2026
Illustriere Gäste wie der Schultes von Besga (Besigheim) mit seinem Büttel gratulierten zur Schnapszahl. © Daniel Seybold/Schwäbisches Schnapsmuseum
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„Erscht wer so a Gläsle probiert, hat de Sinn vom Läba kapiert“, auch altehrwürdige Gratulanten in traditioneller Tracht wie der Schultes und sein Büttel aus Bäsge, sind zur Feier ins Schwäbische Schnapsmuseum gekommen. Das sinnstiftende Gläsle, mit einem seit mindestens 1961 gereiftes Destillat aus dem Nachlass der Stuttgarter Weinbrennerei Haug, gibt es natürlich auch.

Der Keller im Schwäbischen Schnapsmuseum war bis auf den letzten Platz besetzt.
Der Keller im Schwäbischen Schnapsmuseum war bis auf den letzten Platz besetzt. © Daniel Seybold/Schwäbisches Schnapsmuseum

Das Bönnigheimer Schnapsmuseums war zur Feier des 33. Geburtstags gerammelt voll. Bürgermeister Albrecht Dautel dankt dem Museumsleiter Kurt Sartorius sowie den anderen Ehrenamtlichen, „die nicht nur Schnaps brennen, sondern auch fürs Museum“. Ihre ehrenamtliche Arbeit sei auch durch Geld nicht zu ersetzen. Gründe, dem Museum und seinem Spiritus Rector zu danken, gibt es mehr als genug: Bezogen auf Einwohner und Fläche hat Bönnigheim eine höhere Museumsdichte als Berlin. Was die Attraktivität für den Tourismus betrifft, liegt das Schnapsmuseum mit 5000 Besuchern jährlich ganz weit vorn. Am Anfang habe man es belächelt, erst die Ausstellung 1993 „Geistreich“ im Landespavillon Baden-Württemberg habe gezeigt, dass ein Schnapsmuseum keine Schnapsidee ist. Von da an entwickelte sich das Schwäbische Schnapsmuseum zum Publikumsmagnet. Dabei hat der Förderverein Museum im Steinhaus schon über 700 000.- Euro in die Museumsarbeit investiert.

Mit Sekt stoßen die Gäste auf die Schnapszahl 33 Jahre Schwäbisches Schnapsmuseum an.
Mit Sekt stoßen die Gäste auf die Schnapszahl 33 Jahre Schwäbisches Schnapsmuseum an. © Daniel Seybold/Schwäbisches Schnapsmuseum

Unter den Gratulanten ist einiges an Prominenz: Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Alois Gerig in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes der Klein- und Obstbrenner und als Präsident der Gesellschaft für Geschichte des Branntweins, Andreas Eschbach in Vertretung von Landrat Dietmar Allgaier aus Ludwigsburg und Andreas Felchle, ehemaliger Bürgermeister von Maulbronn sowie Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes. Er betont, dass es nicht nur irgendein Schnapsmuseum, sondern das Schwäbische sei. Eloquent definiert er: „Heimat ist der Ort an dem man sich wohlfühlt in einer Kulturlandschaft, die Identität stiftet“. Zu besonderem Dank sei er Sartorius verpflichtet, weil der so gute Witze draufhat, die er, das gesteht Felchle unumwunden, geklaut habe: „Und draußen in dem dunklen Forst, erwacht die Gans im Adlerhorst. Sie schaut sich um und spricht betroffen: Mein lieber Schwan, war ich besoffen!“

Zum Auftakt hatte Swing des Bläserquartetts der Stadtkapelle Bönnigheim unter Rainer Falk das alte Gemäuer kurz erzittern lassen. Nach den Reden leitete die Kabarettistin Sabine Essinger mit einem markerschütternden Gratulations-Jodler über zum Rückblick auf 33 Jahre Museumsgeschichte.

Von der drohenden Verschrottung einer Schnapsbrennerei im Jahr 1977 und der Gründung der Historischen Gesellschaft Bönnigheim, über den Entschluss im Jahr 1985, ein Spezialmuseum aufzubauen bis zum Ritterschlag durch die UNESCO-Kommission nebst allen baulichen Veränderungen, die dem Steinhaus Baujahr von 1296 abgetrotzt worden waren, schildert Sartorius die atemberaubende Erfolgsgeschichte. Mit der großen Sammlung von 112 vom Zollamt überwachten Brennereien hat er einmalige Exponate zusammengetragen. Darunter sind 56 Geheimbrennereien, welche elektronisch erläutert werden. Ein Audioguide erschließt die Schätze im Museum und über Monitore werden viele Besonderheiten erläutert. Mit seinen humorvollen Likör- und Schnapsverkostungen, bei denen natürlich die Kulturgeschichte des Alkohols vermittelt wird, hat Kurt Sartorius Erfolg. Er erwartet demnächst den 144 444. Besucher. Susi Wieland kredenzte Cocktails aus Obstbrand. Zum Schluss bekommen jede Besucherin und jeder Besucher eine kleine Flasche als Schlüsselanhänger mit der Aufschrift „Schluckimpfung“.

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