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33 Jahre Schwäbisches Schnapsmuseum

Das Schnapsmuseum feiert die Schnapszahl

Gelbe Rüben verbessern die Sehkraft, Schnaps verdoppelt sie. Ob der Begriff Schnapszahl vom alkoholbedingten Doppelsehen kommt oder primär aus Trinkspielen stammt, ist ungewiss. Dass die Gründung eines Museums für Hochprozentiges keine Schnapsidee war, dämmerte dem 8000-Seelen Städtchen Bönnigheim im Laufe der letzten 33 Jahre immer wieder.

von Leonore Welzin/Schwäbisches Schnapsmuseum erschienen am 10.03.2026
Illustre Gäste wie der Schultes von Besga (Besigheim) mit seinem Büttel gratulierten zur Schnapszahl. © Daniel Seybold/Schwäbisches Schnapsmuseum
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Mit Sekt stoßen die Gäste auf die Schnapszahl 33 Jahre Schwäbisches Schnapsmuseum an.
Mit Sekt stoßen die Gäste auf die Schnapszahl 33 Jahre Schwäbisches Schnapsmuseum an. © Daniel Seybold/Schwäbisches Schnapsmuseum

Erscht wer so a Gläsle probiert, hat de Sinn vom Läba kapiert“, auch altehrwürdige Gratulanten in traditioneller Tracht wie der Schultes und sein Büttel aus Besigheim waren am 3. März zur Feier ins Schwäbische Schnapsmuseum gekommen. Das sinnstiftende Gläsle, gefüllt mit einem gereiften Destillat aus dem Nachlass der Stuttgarter Weinbrennerei Haug, gab es natürlich auch.

Der Keller im Schwäbischen Schnapsmuseum war bis auf den letzten Platz besetzt.
Der Keller im Schwäbischen Schnapsmuseum war bis auf den letzten Platz besetzt. © Daniel Seybold/Schwäbisches Schnapsmuseum

Das Bönnigheimer Schnapsmuseums war zur Feier des 33. Geburtstags gerammelt voll. Bürgermeister Albrecht Dautel dankte dem Museumsleiter Kurt Sartorius sowie den anderen Ehrenamtlichen, „die nicht nur Schnaps brennen, sondern auch fürs Museum“. Ihre ehrenamtliche Arbeit sei durch Geld nicht aufzuwiegen. Gründe, dem Museum und seinem Spiritus Rector zu danken, gibt es mehr als genug: Bezogen auf Einwohner und Fläche hat Bönnigheim eine höhere Museumsdichte als Berlin. Was die Attraktivität für den Tourismus betrifft, liegt das Schnapsmuseum mit 5.000 Besuchern jährlich ganz weit vorn. Am Anfang habe man es belächelt, erst die Ausstellung 1993 „Geistreich“ im Landespavillon Baden-Württemberg habe gezeigt, dass ein Schnapsmuseum keine Schnapsidee sei. Von da an entwickelte sich das Schwäbische Schnapsmuseum zum Publikumsmagneten. Dabei hat der Förderverein Museum im Steinhaus schon über 700.000 Euro in die Museumsarbeit investiert.

Unter den Gratulanten war einiges an Prominenz: Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Alois Gerig in der doppelten Funktion als Präsident des Bundesverbandes der Klein- und Obstbrenner und als Präsident der Gesellschaft für Geschichte des Branntweins, Andreas Eschbach in Vertretung von Landrat Dietmar Allgaier aus Ludwigsburg und Andreas Felchle, ehemaliger Bürgermeister von Maulbronn sowie Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes. Er betonte, dass es nicht nur irgendein Schnapsmuseum, sondern das Schwäbische sei. Eloquent definierte er: „Heimat ist der Ort, an dem man sich wohlfühlt in einer Kulturlandschaft, die Identität stiftet“. Zu besonderem Dank sei er Sartorius verpflichtet, weil der so gute Witze draufhat, die er, das gestand Felchle unumwunden, geklaut habe. Wie diesen hier: „Und draußen in dem dunklen Forst, erwacht die Gans im Adlerhorst. Sie schaut sich um und spricht betroffen: Mein lieber Schwan, war ich besoffen!“

Zum Auftakt hatte das Bläserquartett der Stadtkapelle Bönnigheim unter Rainer Falk das alte Gemäuer kurz erzittern lassen. Nach den Reden leitete die Kabarettistin Sabine Essinger mit einem markerschütternden Gratulations-Jodler über zum Rückblick auf 33 Jahre Museumsgeschichte.

Wo ließe sich eine Schnapszahl besserfeiern als in einem Schnapsmuseum? Kurt Sartorius

Von der drohenden Verschrottung einer Schnapsbrennerei im Jahr 1977 und der Gründung der Historischen Gesellschaft Bönnigheim, über den Entschluss im Jahr 1985, ein Spezialmuseum aufzubauen bis hin zum Ritterschlag durch die UNESCO-Kommission reichte der Rückblick von Kurt Sartorius. Er schilderte auch die vielen baulichen Veränderungen, die dem Steinhaus aus dem Jahr 1296 abgetrotzt worden sind. Mit der großen Sammlung von 112 vom Zollamt überwachten Brennereien hat er einmalige Exponate zusammengetragen, darunter sind 56 Geheimbrennereien. Ein Audioguide erschließt die Schätze im Museum und über Monitore werden viele Besonderheiten erläutert. Mit seinen humorvollen Likör- und Schnapsverkostungen, bei denen die Kulturgeschichte des Alkohols vermittelt wird, hat Kurt Sartorius dauerhaft Erfolg.

Beredtes Zeugnis dafür und für den Erfolg des Schnapsmuseums: Es erwartet demnächst den 144.444. Besucher. Sprich: Die nächste Schnapszahl steht in Bönnigheim bald an. Sie wird sicherlich im Museum wieder angemessen begangen und gefeiert.

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