
Die Folgen der Steuererhöhung
Die Obstverschlussbrenner aus Baden-Württemberg richten einen offenen Brief an Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Ihr Appell: Die Erhöhung der Alkoholsteuer darf nicht auf dem Rücken der Obstbrennereien ausgetragen werden.

Sie betrifft Familienbetriebe, Arbeitsplätze, landwirtschaftliche Lieferketten, Gastronomie, Tourismus und ein Stück Schwarzwälder Identität, was die Inhaber der Betriebe mit ihren Unterschriften deutlich machen.
Was in Berlin oder Stuttgart wie eine abstrakte Steuerfrage wirkt, entscheidet in Baden-Württemberg über Investitionen, Nachfolge, Ausbildungsplätze und die Zukunft einer gewachsenen Handwerkstradition. Die handwerkliche Brennkunst ist als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt sie als lebendiges Wissen und handwerkliches Können, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Obstbrennereien stehen wie kaum eine andere Spirituosengattung für diese handwerkliche Brennkunst. In ihren Regionen prägen sie mit Brennereien und Anbauflächen das Landschaftsbild und bewahren eine lange gewachsene Destillationstradition.
„Wir wenden uns nicht aus Eigeninteresse an die Abgeordneten, sondern weil hier ein Stück Heimat auf dem Spiel steht“, sagt Philipp Schladerer, Vorsitzender des Baden-Württembergischen Spirituosenverbandes.
Lokale Folgen erkennen
Der offene Brief wird an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus Baden-Württemberg verschickt. Die mittelständischen Unternehmer wollen den politischen Entscheidern damit zeigen, dass eine einseitige Belastung von Spirituosen nicht nur eine Branche trifft, sondern ganze regionale Wertschöpfungsketten: vom Obstanbau über Glas, Verpackung und Logistik bis hin zu Handel, Gastronomie und Tourismus. Im Brief heißt es, die mittelständischen und familiengeführten Unternehmen seien seit Generationen in ihren Regionen verwurzelt, produzierten in Deutschland, sicherten Arbeitsplätze und schafften Wertschöpfung vor Ort. „Anders als internationale Konzerne, können unsere Betriebe eine zusätzliche Belastung nicht ohne Weiteres über andere Märkte, Marken oder Getränkekategorien ausgleichen“, so Philipp Schladerer. Die mittelständischen Unternehmen wollen diese lokale Betroffenheit sichtbar machen: durch den offenen Brief, regionale Pressearbeit, Betriebsbesuche von Abgeordneten sowie eine gemeinsame politische Linie. Jeder Betrieb soll vor Ort zeigen können, was eine einseitige Steuererhöhung konkret bedeutet – für Arbeitsplätze, Nachfolge, Investitionen und das Leben in den Gemeinden.
Konstruktiv statt Blockade
Die Unternehmer fordern keine Sonderbehandlung, sondern eine Steuerpolitik mit Augenmaß. Im Mittelpunkt stehen eine Begrenzung der Erhöhung, eine verbindliche Evaluation der Wirkung auf Konsum, Steueraufkommen und Arbeitsplätze sowie ein mittelstandsverträglicher Einführungstermin. Langfristig braucht Deutschland ein gleichmäßiges Alkoholsteuersystem nach dem Liter reinen Alkohol – und eine faire Gleichstellung von Spirituosen gegenüber Wein und Bier im Alkoholsteuergesetz.
Der Verband der Baden-Württembergischen Spirituosen-Hersteller e.V. besteht weitestgehend aus Obstbrennereien Süddeutschlands. Seine Mitglieder stehen für eine regional verwurzelte Branche mit wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Aktuell vertritt der Verband 16 Brennereien mit insgesamt rund 400 Mitarbeitern. Es handelt sich dabei ausnahmslos um kleine und mittlere Betriebe –familiengeführt, handwerklich geprägt und eng mit Landwirtschaft, Gastronomie, Tourismus, Handel und regionaler Wertschöpfung verbunden.
Ergänzung der Redaktion: Da die Obstverschlussbrennereien vielfach Roh-Alkohol von Abfindungsbrennereien aufkaufen und ihn zu Obstbränden weiterverarbeiten, geht es noch um mehr: Es geht um die Existenz von Tausenden Abfindungsbrennereien und um den Erhalt der wertvollen Streuobstwiesen, die durch die Kleinbrenner gepflegt werden.









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